{"id":1561,"date":"2021-02-07T17:56:00","date_gmt":"2021-02-07T16:56:00","guid":{"rendered":"https:\/\/euroconsum.eu\/?page_id=1561"},"modified":"2023-04-09T08:03:33","modified_gmt":"2023-04-09T06:03:33","slug":"zwischentoene-statt-schablonen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/euroconsum.eu\/de\/zwischentoene-statt-schablonen\/","title":{"rendered":"Zwischent\u00f6ne statt Schablonen"},"content":{"rendered":"\n<p>07.02.2021<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/euroconsum.eu\/de\/publication\/diversitaet-und-konsum\/featured_huc048fedf0d7535d5633c2478958f2a05_2846947_720x0_resize_q100_lanczos.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zusammenfassung<\/h2>\n\n\n\n<p>Unser Anspruch an Verbrauchendenschutz ist es, alle Perspektiven einzubeziehenTyp<a href=\"https:\/\/euroconsum.eu\/de\/publication\/#4\">Analyse<\/a><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"konsum-ist-nicht-m\u00e4nnlich-nicht-wei\u00df-nicht-hetero\">Konsum ist nicht m\u00e4nnlich, nicht wei\u00df, nicht hetero<\/h3>\n\n\n\n<p>Der \u201csituationsad\u00e4quat aufmerksame, durchschnittlich informierte und verst\u00e4ndige Durchschnittsverbraucher\u201d, eine juristische Figur. mit der Gerichte zu Entscheidungen \u00fcber die Unzul\u00e4ssigkeit von gesch\u00e4ftlichen Handlungen gelangen, ist tats\u00e4chlich zumeist eine\u00a0<strong>situationsad\u00e4quat aufmerksame, durchschnittlich gebildete und verst\u00e4ndige Verbraucher<em>in<\/em><\/strong>. Es mag sein, dass die vermeintlich \u201cgro\u00dfen\u201d Dinge im Leben (Hauskauf, Autokauf, Rentenabsicherung) eher von M\u00e4nnern als von Frauen entschieden werden, aber zahlenm\u00e4\u00dfig werden bei weitem die meisten Konsumentscheidungen von Frauen getroffen.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Frauen erledigen den Wocheneinkauf.<\/li><li>Frauen k\u00fcmmern sich um die Ausstattung des Nachwuchses.<\/li><li>Frau entscheiden ma\u00dfgeblich, wenn es um die Gesundheit geht. <\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Konsum k\u00f6nnte man sagen ist also gerade nicht m\u00e4nnlich, sondern nicht-m\u00e4nnlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn aber ein mit drei m\u00e4nnlichen Mitglieder besetzter Spruchk\u00f6rper eines Oberlandesgerichts (drei von drei, wohlgemerkt) \u00fcber Irref\u00fchrung bei Damenbilden entscheidet, l\u00e4uft etwas falsch. Die drei Herren hielten sich in einer ber\u00fchmt gewordenen Entscheidung f\u00fcr in der Lage, die Frage anhand ihres eigenen Erfahrungshorizontes zu entscheiden. Schlie\u00dflich w\u00fcrden sie gelegentlich auch schon mal von ihren Frauen gebeten, Damenbinden einzukaufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Solange \u00fcber Produkte zur chemischen Haargl\u00e4ttung oder zur Teint-Aufhellung wei\u00dfe Menschen ohne Krause entscheiden, solange ausschlie\u00dflich Menschen ohne Sehbehinderung \u00fcber die Schriftgr\u00f6\u00dfe von Pflichtangaben entscheiden, solange ausschlie\u00dflich M\u00e4nner \u00fcber die Themen entscheiden, die Verbrauchende jeden Geschlechts betreffen, wird die Geschichte der Menstruation eine Geschichte voller Missverst\u00e4ndnisse bleiben.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"f\u00fcr-alle-menschen-deren-belange-wir-repr\u00e4sentieren\">F\u00fcr alle Menschen, deren Belange wir repr\u00e4sentieren<\/h3>\n\n\n\n<p>Die\u00a0<strong>Perspektiven<\/strong>\u00a0von zu vielen Menschen bleibt in der Verbrauchendenschutzarbeit unber\u00fccksichtigt. Das gilt sogar f\u00fcr Personen, die nicht besonders deutlich marginalisiert werden. Bei der Beurteilung etwa, ob ein Preisschild \u201cgut lesbar\u201d ist, bleibt die durchschnittliche Sehf\u00e4higkeit von alterserfahrenen Menschen au\u00dfer Acht. Unl\u00e4ngst entschied ein Obergericht, es sei Kunden durchaus zuzumuten, die zum Lesen einer Preisauszeichnung zur Not auch hinzuknien oder eine hockende Position einzunehmen. Beides sind K\u00f6rperhaltungen, die im fortgeschrittenen Alter typischerweise nicht mehr schmerz- und gefahrlos eingenommen werden k\u00f6nnen. Von Rolli-Nutzenden ganz zu schweigen. Diese Betrachtung schadet uns allen. Der Weg in einen nachhaltigen Verbrauchendenschutz muss intersektional arbeiten und so viele Perspektiven einnehmen, wie m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p>Leider konnte sich eine\u00a0<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/streit-gesetzestext-weibliche-form-101.html\" target=\"_blank\">Initiative des BMJV<\/a>\u00a0nicht durchsetzen, die vorgeschlagen hatte, Gesetzestexte nur noch in geschlechtersensibler Sprache zu verfassen. Dies bedauern wir und haben uns vorgenommen, zu diesem Thema einen eigenen Beitrag zu leisten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"unser-beitrag-f\u00fcr-sichtbarkeit\">Unser Beitrag f\u00fcr Sichtbarkeit<\/h3>\n\n\n\n<p>Wir sind zu der \u00dcberzeugung gelangt, dass eine Verbrauchendenschutzarbeit, die die Perspektiven von marginalisierten Gruppen vernachl\u00e4ssigt, ihrem Repr\u00e4sentanz-Anspruch nicht gerecht wird und nicht nachhaltig sein kann. Dabei ist es keine Option, zu versuchen, Unterschiedlichkeiten bewu\u00dft zu \u00fcbersehen, weil dies Lebensrealit\u00e4ten und Diskriminierungserfahrungen negieren w\u00fcrde. Vielmehr braucht Verbraucherschutz Sichtbarkeit und Repr\u00e4sentanz. Deshalb haben wir uns folgende Selbstverpflichtung auferlegt:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Wir streben an, die Sicht von marginalisierten Gruppen auf allen Arbeitsstufen angemessen zu repr\u00e4sentieren. Hierzu geh\u00f6ren neben Frauen Menschen mit Assistenz- und Hilfsmittelbedarf, migrantisierte Menschen, queere Menschen, Transmenschen, Menschen, die sich keiner der Geschlechtsvarianten m\u00e4nnlich und weiblich zuordnen, BPOCs und angeh\u00f6rige von ethnischen und religi\u00f6sen Minderheiten.<\/li><li>Wir verwenden in unseren Texten und Beitr\u00e4gen und in \u00f6ffentlichen Stellungnahmen gender-sensitive Sprache. Unsere Mitarbeitenden k\u00f6nnen aus mehreren m\u00f6glichen gendern-sensitiven Ausdruckweisen w\u00e4hlen. Das generische Maskulinum vermeiden wir.<\/li><li>Wir achten bei Verhandlungen auf eine diverse Besetzung unseres Verhandlungsteams.<\/li><li>Wir f\u00fchren Verhandlungen nur, wenn auf allen Seiten eine Verhandlungsf\u00fchrung beteiligt ist, die nicht ausschlie\u00dflich aus m\u00e4nnlich gelesenen Personen besteht.<\/li><li>Wir nehmen nur an High-Level-Gespr\u00e4chen und -Verhandlungen teil, wenn alle Delegationen mindestens zur H\u00e4lfte mit weiblich gelesenen Personen oder Transpersonen, besetzt sind.<\/li><li>Soweit wir auf die Besetzung von Spruchk\u00f6rpern Einfluss haben (etwa bei Schiedsverfahren), werden wir f\u00fcr eine angemessene Repr\u00e4sentation von marginalisierten Personen sorgen.<\/li><li>Soweit wir durch Benennung, Beleihung oder Berufung an Gremienarbeit beteiligt sind, werden wir f\u00fcr eine angemessen \u00dcbergangszeit darauf dringen, dass auch dort eine diverse und mindestens h\u00e4lftig nicht-cis-m\u00e4nnlich besetzte Struktur erzielt wird. Gelingt dies dauerhaft nicht, werden wir unsere aktive Teilnahme an dieser Gremienarbeit einstellen.<\/li><li>Wir nehmen unsere Partner, einschlie\u00dflich beauftragter Rechtsanwaltskanzleien in die Pflicht, sich auch im Rahmen von Gerichtsverfahren um eine gender-sensitive Sprache zu bem\u00fchen.<\/li><li>Rechtspolitisch setzen wir uns f\u00fcr eine zeitgem\u00e4\u00dfe Weiterentwicklung der Verbraucherleitbilds hin zu einer Vebrauchendendefinition ein, die explizit die besonderen Perspektiven von Frauen, Senioren, Menschen mit Assistenzbedarf und von Angeh\u00f6rigen marginalisierter Gruppen geb\u00fchrend ber\u00fccksichtigt.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<h5 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\"><a href=\"https:\/\/euroconsum.eu\/de\/author\/deutscher-konsumentenbund\/\">Deutscher Konsumentenbund<\/a><\/h5>\n\n\n\n<h6 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\">An der Seite der Evidenz, auf der Seite der Verbrauchenden: der Deutsche Konsumentenbund e.V. ist ein anerkannt gemeinn\u00fctziger Verbraucherschutzverband.<\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>07.02.2021 Zusammenfassung Unser Anspruch an Verbrauchendenschutz ist es, alle Perspektiven einzubeziehenTypAnalyse Konsum ist nicht m\u00e4nnlich, nicht wei\u00df, nicht hetero Der \u201csituationsad\u00e4quat aufmerksame, durchschnittlich informierte und verst\u00e4ndige Durchschnittsverbraucher\u201d, eine juristische Figur. mit der Gerichte zu Entscheidungen \u00fcber die Unzul\u00e4ssigkeit von gesch\u00e4ftlichen Handlungen gelangen, ist tats\u00e4chlich zumeist eine\u00a0situationsad\u00e4quat aufmerksame, durchschnittlich gebildete und verst\u00e4ndige Verbraucherin. 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